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Rechtstipp: Der „technische Geschäftsführer“ einer GmbH in der Krise der Unternehmung

Unser Dozent Rechtsanwalt Klaus Maier stellt uns künftig immer wieder Rechtstipps zur Verfügung, vielen Dank!

Der „technische Geschäftsführer“ einer GmbH in der Krise der Unternehmung

In der Praxis der Führung von GmbHs gibt es häufig die Konstellation, dass die Geschäftsführertätigkeit durch 2 Geschäftsführer mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten gemacht wird: Den „technischen“ und den „kaufmännischen“ Geschäftsführer. Diese sind in der Regel beide als Einzelvertretungsberechtigte Geschäftsführer im Register eingetragen. Beim „technischen“ Geschäftsführer handelt es sich meist um Personen, die hohe technische Kompetenz und Ausbildung haben, die auch nach außen durch die Geschäftsführertätigkeit ein gewisses Gewicht haben sollen, …, die aber oft im betriebswirtschaftlichen/buchhalterischen Bereich erhebliche Defizite haben. Kommt eine Unternehmung in die Krise, ist es sehr oft so, dass diese technischen Geschäftsführer sich nicht richtig um die finanzielle Krisensituation und deren Vermeidung kümmern bzw. auch gar keinen Einblick oder kein Verständnis für die Zahlen haben. Kommt es in der weiteren Folge zu einer Insolvenz, führt dies oft dazu, dass nicht nur der „kaufmännische Geschäftsführer“, sondern auch der „technische Geschäftsführer“ Ärger kriegt. Dieser Ärger bezieht sich insbesondere auf Haftungsansprüche ins persönliche Vermögen des Geschäftsführers und auf strafrechtliche Ansprüche wegen verspäteter Insolvenzantragstellung, …

Die typische Verteidigungstaktik der technischen Geschäftsführer ist dann die, dass sie darauf hinweisen, dass sie doch gar nicht mit den betriebswirtschaftlichen Sachverhalten betraut gewesen seien, sei es auf Grund praktischer Übung oder mündlicher oder gar schriftlicher Absprache, …

Groß ist dann oft das Erstaunen, wenn man feststellen muss, dass die Rechtsprechung sich von diesem Argument nur wenig beeindrucken lässt: Wer nämlich als Geschäftsführer bestellt und eingetragen ist, hat nach der gesetzlichen Regelung einen hohen Pflichtenumfang in Bezug auf Reaktionspflichten in der Krise des Unternehmens. Auch der kaufmännische Geschäftsführer kann sich hier nur in sehr engen Grenzen „herausreden“, sogar dann, wenn es eine explizite, schriftlich vereinbarte und nachweisbar Aufgabenverteilung gab. Spätestens dann, wenn Krisenanzeichen evident werden, muss er nämlich – ungeachtet der entsprechenden Aufgabenverteilung – von sich aus aktiv werden, sich informieren und Maßnahmen ergreifen, sei es zur Rettung, sei es die Insolvenzantragstellung. Dies alles auch früh und meist unter Zeitdruck.

Welchen Rat kann man Mandanten in einer solchen Situation geben?

Arbeiten Sie sich auch als technischer Geschäftsführer frühzeitig in ihre gesetzlichen Pflichten ein und beobachten Sie das Unternehmen dauerhaft auf Krisenanzeichen! Überlegen Sie sich im Einzelfall, ob Sie bereit sind diese Position überhaupt einzunehmen oder weiterzuführen, wenn Sie zeitlich, inhaltlich, … nicht in der Lage sehen, die notwendigen Informationen zu erhalten oder zu interpretieren oder notwendige Maßnahmen umzusetzen.